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5. Diktat und Protokoll von Dr. med. W. Birkelbach

    
Direktor des Bezirkskrankenhauses Wolfratshausen bei München über seinen ärztlichen Besuch am 14. November 1931 bei sieben Familien in Dachau zwecks Feststellung der Wirkung einer "Erdstrahlung"
Familie R. Dachau: (Das Gebäude liegt 550 m von der Entstrahlungsstation entfernt. R wohnt hier seit sechs Jahren. Eltern und Kinder waren stets gesund. Bald nach dem Einzug stellten sich bei Mann und Frau und bei dem Sohn rheumatische Beschwerden ein, die sich immer verstärkten. Bei den Eltern besonders auch starke Rückenschmerzen, hauptsächlich nach der Nachtruhe. Der Mann konnte sich schließlich morgens nach dem Aufstehen erst nach und nach gerade aufrichten, die Frau oft nur mit Hilfe des Mannes aufstehen. Der 22jährige Sohn, ein ausgezeichneter Sportsmann, hatte Rheumatismus in Schulter und Bein.
Die Wohnung wurde von Anfang November 1930 mit der Rute untersucht. Die Betten der Eltern wurden, da das bisherige Schlafzimmer völlig verstrahlt war, in ein anderes strahlungsfreies Schlafzimmer umgesetzt, das Bett des Sohnes von der einen Seite des Zimmers auf die andere, strahlenfreie. Die Beschwerden waren bei allen dreien schon nach acht bis zehn Tagen vollkommen verschwunden.

Mitte Dezember 1930 stellten sich bei der Frau die Rückenschmerzen wieder ein. Eine neuerliche Untersuchung des Zimmers mit der Rute ergab, daß ein neuer Untergrundstrom in Schrägrichtung zum bisherigen Verlauf der Ströme durchgebrochen war, so dass besonders das Bett der Frau wieder stärker bestrahlt wurde. Dieser Strom hatte auch den oberen Teil des Bettes der jüngsten Tochter erfasst, die gleichzeitig starke rheumatische Beschwerden bekommen hatte. Nach Umstellung dieser drei Betten aus der neuen Strahlungszone verschwanden die Schmerzen wieder.
Seit Anfang April 1931 ist das Gebäude fernentstrahlt. Im Sommer 1931 sprach R. den Freiherrn von Pohl darauf an, ob in der Nacht vorher die Entstrahlung funktioniert hatte. Auf Verneinung - da infolge eines Irrtums die Entstrahlung abgestellt gewesen sei - berichtete R. daß seine Frau letzte Nacht wieder Rückenschmerzen bekommen hätte. Die Schmerzen waren am folgenden Tage wieder verschwunden. Von Ende September an traten bei dem Mann erneut leichte Schmerzen während 6 bis 7 Wochen auf; die Frau hatte stärkere Beschwerden. Beide hatten auch wieder über Müdigkeit morgens nach dem Aufstehen zu klagen. Seit 5 bis 6 Tagen Mann und Frau wieder frisch auf.

Zusammenfassung
der am 14. November 1931 erfolgten Erhebung in Dachau.
Befragt wurden sieben Familien, deren Wohnungen zwischen 50 und 1000 m vom Standplatz der Entstrahlungsvorrichtung entfernt lagen.
Übereinstimmend berichteten alle Befragten, dass sie bis zum Frühling 1931 mehr oder minder stark körperlich gelitten hatten. Vorwiegend wurden rheumatische Allgemeinbeschwerden, daneben recidivierender schwerer Gelenkrheumatismus, Mittelohr-Entzündungen, Schlaflosigkeit, morgendliche Erschöpfung bis zur Bewegungsbehinderung, Herzbeschwerden, Atemnot und Erstickungsanfälle asthmatischen Charakters, ungeklärte Rückenschmerzen, Neuralgien und unruhiger, nicht erfrischender Schlaf angegeben.
Alle sieben Familien gaben übereinstimmend an, dass seit Frühjahr 1931 eine auffallende Besserung ihrer verschiedenartigen Beschwerden eingesetzt habe.

Sechs Familien beobachteten Ende September und Oktober erneutes Auftreten ihrer körperlichen Beschwerden, bei Zweien eine Steigerung, die ärztliche Inanspruchnahme erforderte, aber ohne erhoffte Beseitigung des Krankheitsgefühles bis zur ersten Novemberwoche.
Drei Familien hatten während des Sommers mehrfach an einzelnen Tagen das Gefühl der Rückfälligkeit in ihre alten Leiden. Wie sich dann auf Erkundigungen herausstellte , war an diesen Tagen- ebenso wie in der Zeit vom 21. September bis 6. November - die Entstrahlungsvorrichtung nicht eingeschaltet.

Die vorstehenden Mitteilungen wurden mir, bei objektiver Stellungnahme, in freundlicher , sachlicher und durchaus glaubwürdiger Form gemacht. Sie bedürfen aus rein menschlichen und vor allem aus naturwissenschaftlichen Gründen weitgehenster Beachtung, Prüfung auf Dauer sowie sachlicher Förderung.

Wolfratshausen, Dezember 1931
gez. Dr. med. W. Birkelbach